Presse-Echo

 

Der "20"er hat mich 2016 in meinem Arbeitszimmer besucht:


PORTRAIT der STRASSENZEITUNG "20er"

 

Zack, schon ist sie da, die Eingebung für den neuen Cartoon. Ein vorgegebenes Thema genügt und schon sprudeln bei 20er-Cartoonist Bertram Haid die Ideen. Angst, dass der Kreativfluss einmal versiegen könnte, ist dem Berufskomiker fremd. EVA JANOVSKY



(Foto: Daniel Jarosch/Bertram Haid)

 

Seit der ersten Ausgabe der Tiroler Strassenzeitung 20er im Jahre 1998 ist Bertram Haid in jeder Neuerscheinung mit einem Cartoon vertreten, seit Frühjahr 2011 sogar in Farbe. "Ich habe damals einfach beim 20er angerufen und gefragt, ob sie Interesse hätten und das, was mir gefällt, einfach hingeschickt", erzählt der begeisterte Hutträger von seinen Anfängen. Zum Zeichnen ist der gelernte Bürokaufmann übers Schreiben gekommen. Gemeinsam mit dem Schriftsteller Elias Schneitter gründete er das Cartoonprojekt "baes". Ein Motto, das sich auch in seinen Cartoons wiederspiegelt: "Ich zeichne für Erwachsene und mag hintergründigen und manchmal auch bösen oder makabren Humor."

Dass seine Zeichnungen sowie sein Wortwitz sehr gefragt sind, zeigen die gute Auftragslage und die Verschiedenartigkeit der Medien, die seine Cartoons veröffentlichen. Von Börsenzeitschriften über die Screens in der Berliner U-Bahn hin zum 20er deckt der kreative Kopf ein breites Spektrum ab. "Am liebsten ist es mir, wenn mir ein Thema vorgegeben wird, dann überlege ich, was könnte ich zeichnen, und arbeite das Thema aus. Das Entscheidende beim Cartoon ist, dass man viel weiß, das alles vergisst und sich auf das Wesentliche konzentriert", erklärt Bertram seine Strategie. "Die Würze bieten Klischees, die jeder kennt."

Doch dass ein Cartoon mehr als unterhalten kann, hat der Zeichner bereits viele Male im 20er bewiesen. Ernsthafte Themen wie Armut können Über die vermeintliche Spaßschiene an den Leser gebracht werden. "Ein Cartoon soll auch provozieren und Emotionen auslösen, es muss nicht immer lustig sein", betont er. So zeichnete er anfangs für den 20er immer denselben Obdachlosen, der mit einem Hut und einer leeren Flasche auf der Strasse sitzt. Nur den Passanten, die an ihm vorübergehen, wurden Worte über Armut zugeschrieben, denn "die Armut selbst hat keine Stimme". 130 Zeichnungen allein für die Tiroler Strassenzeitung haben sich mittlerweile angesammelt, alle von Hand gezeichnet mit Tuschestift am Zeichenbrett. Farbe wird sehr sparsam eingesetzt, nur was wichtig ist, bekommt einen bunten Anstrich. Der Radierer wird ebenfalls nur selten zum Einsatz gebracht, und wenn, dann muss die ganze Zeichnung daran glauben.

Anfangs benötigte der Autodidakt circa 15 Minuten für eine Zeichnung. "Heute bin ich da ehrgeiziger, eine Stunde kann es schon dauern, die Zeichnung soll ja auch grafisch etwas hermachen und ein bisschen stolz möchte ich schon darauf sein." Der Erfolgsdruck sei allerdings relativ gering, da die Resonanz auf seine Zeichnungen sich doch in Grenzen halte. "Ich fühle mich dadurch freier und muss es auch niemandem recht machen", erklärt Bertram Haid. Dass ihm der Witz im Blut liegt, beweist er auch als Gag-Schreiber für den Ö3-Wecker. Sein Ideenpool scheint dabei unerschöpflich, "Mir fällt zu allem etwas ein, es kommt oftmals auf den Blickwinkel an und mit dem Überraschungsprinzip trifft man das Thema oftmals auf den Punkt." Mit wenigen Strichen soll viel erreicht werden, wobei das schon auf Unverständnis gestossen ist. "Ein Chefredakteur hat einmal gemeint, so viel Geld für so wenige Striche. Aber das ist natürlich die Herausforderung", erzählt er schmunzelnd. Denn die Aufmerksamkeit des Lesers ist begrenzt und so muss mit wenigen Strichen und einem Blick des Lesers alles gesagt sein.

(Herbst 2011)

 

TIP, 13. August 2004

 

  

Tiroler Tageszeitung, 23. Feber 2004, anlässlich der BAES-Ausstellung im Cafe Munding in Innsbruck

 

 

Letzte Änderung:
06.08.2017, 17:30